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Hambach - Mariä Geburt  > Kirche, Pfarrheim ...  > Dorfplatz

aus Schweinfurter Tagblatt am 18.07.2008 von Uwe Eichler
freigegeben zur Veröffentlichung auf dieser Seite vom Verfasser

17.07.2008 16:20 Uhr

HAMBACH
Zwei Herren plaudern am Dorfplatz

Der Umbau in Hambachs Herzen ist mit offiziellem Festakt beendet worden.
Das historische Herz Hambachs schlägt höher: Offiziell eingeweiht wurde der Dorfplatz rund um die Kirche sowie dem alten Rat- und Schulhaus, mit dem markanten Herrenbrunnen, der dort schon seit dem Jahr 2000 steht. Kleiner Wermutstropfen: Ob ungünstiger Wetterprognosen fand der Festakt überwiegend in der Kirche statt. Die Kirchenband „Utopia“, der Kindergarten und die „Hambacher Volkssänger“ in fränkischer Tracht sorgten für den musikalischen Rahmen.

Nach dem Dank von Bürgermeister Michael Herterich an die Ortsvereine und Initiatoren, die das mehrere Hunderttausend Euro schwere Projekt erst möglich gemacht haben, schritt Pfarrer Paul Kowol zur Segnung ins Freie.

Als Kreisheimatpfleger und Ehrenbürger der Großgemeinde blickte der Hambacher Karl-Heinz Hennig auf die Geschichte des Platzes an der „Herrengasse“ zurück, die untrennbar mit den beiden namensgebenden Honoratioren verbunden ist: Einer davon ist Valentin Gaßner, der um die vorletzte Jahrhundertwende in Hambach als Oberlehrer wirkte, damals noch ein sehr armes Dorf. Der gebürtige Spessarter begründete das erste Schulhaus am Dorfplatz (später das alte Rathaus, heute die Musikschule) sowie ein weiteres Schulgebäude (die heutige Arztpraxis Aßmann). 1923 wurde er zum Ehrenbürger ernannt.

Auf dem Dorfbrunnen ist Gaßner im Gespräch mit Pfarrer Adam Stupfel zu sehen, auf stilisierten Stufen, die den alten Treppenaufgang zur Kirche symbolisieren. Der Dettelbacher Pfarrer, der 1904 die Mariengrotte hinter dem Rathaus anlegte, hatte im Jahr zuvor den Obst- und Gartenbauverein gegründet: „Es war die Zeit, als die Pfarrer den Bauern geholfen haben, sich nebenher noch etwas zu verdienen“, weiß Karl-Heinz Hennig. Desweiteren schuf der sozial engagierte Kaplan den Katholischen Arbeiterverein Hambach. Stupfel starb früh, 1908 im Alter von 37 Jahren, und wurde auf dem örtlichen Friedhof beigesetzt.

Beide Brunnenfiguren hat der Üchtelhäuser Bildhauer Peter Vollert nach Original-Fotografien geschaffen: Stupfels Porträt ist noch heute an der Mariengrotte zu sehen.

Der Brunnen selbst wurde seit den 1990er Jahren mit Hilfe der Ortsvereine restauriert, nachdem Alt-Bürgermeister Oswald Markert den Vorgänger in den 80er Jahren (nach einer ausgedehnten Rathaus-Sitzung) mit dem Auto ramponiert hatte. Ein Trogfragment wurde vom früheren Bauhofleiter Konrad Wildanger und Karl-Heinz Hennig im Schacht aufgespürt – nach dieser Vorlage schuf der Rundelshäuser Steinmetz Julius Katzenberger den neuen Brunnentrog.

Der Echterturm
Unstrittig ist, dass der Dorfplatz mit Rathaus, Schule und Kaplaneihaus sowie die 1983 offiziell so benannte „Herrengasse“ den historischen Kern Hambachs darstellt. Bereits 1834 verzeichnete der Katasterplan an gleicher Stelle einen Dorfbrunnen. Die heutige Pfarrei-Kirche Mariä Geburt selbst wurde 1734 gebaut, der steinerne Unterbau des Kirchturms ist aber vermutlich so alt wie das Dorf selbst und stammt somit aus der Zeit um 1250.

Erst unter Fürstbischof Julius Echter, der Hambach der Pfarrei Maibach anschloss, wurde 1602/1603 die Spitze aus Fachwerk abgebrochen und ein markanter „Echterturm“ aufgesetzt. Ebenfalls ein geschichtliches Kleinod am Platz: Das sogenannte „Hartmannhäuschen“ an der neuen Treppe: Für Hennig verweist der schlichte Fachwerkbau auf die Zeit der armen Hambacher Bauern. Noch Mitte des 19.Jahrhunderts seien viele Häuser mit Schilf gedeckt gewesen, bevor dieses aus Gründen des Brandschutzes durch Ziegel ersetzt wurde. Die als ärmlich geltenden Fachwerkmauern wurden später oft mit Putz kaschiert. Das Hartmannhäuschen mit seiner „Guten Stube“, das sich nach Renovierung im Besitz der Gemeinde befindet – der Keller wird privat genutzt – ist somit ein letztes originales Überbleibsel von Alt-Hamich (erbaut etwa 1700).

Der Platz selbst wurde nach einem Ideenwettbewerb von Würzburger Architekturstudenten durch den Dittelbrunner Bauingenieur Peter Gemmer gestaltet: Unter anderem begrünt, mit Kunststeinen gepflastert und mit Parkplätzen versehen. Bis Herbst soll nun noch ein Kunstschmiede-Geländer an der neuen Treppe folgen, in einem nächsten Bauabschnitt dann der Bereich vor der Kirche neugestaltet werden.